Neuseeland Lebenshaltungskosten
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Neuseeland Lebenshaltungskosten

Gleich zu Anfang muss vorneweg genommen werden, dass, obwohl Neuseelands Wirtschaft stark auf den landwirtschaftlichen Sektor konzentriert ist und das Land eines der stärksten Exporteure von Milchprodukten nach Asien ist, man sich nicht der Hoffnung auf ein Schlaraffenland zu Niedrigpreisen hingeben darf. Im Gegenteil, gerade die Preise für Milchprodukte wie Käse und Joghurt sind keineswegs gering. Für einen Liter Milch zahlt man in einem Supermarkt, wo es – abgesehen von Obst und Gemüse – viel günstiger ist als in den kleinen „Groceries“, ganze 2,20 NZD. Das entspricht bei dem aktuellen Kurs einem Preis von 1,10 Euro. Und die Milch, die man zu diesem Preis erhält, ist stark fettreduziert – und damit stark verwässert. Wenn man vollwertige Milch mit einem Fettanteil von 3,5% kaufen möchte, so zahlt man zwischen 2,70 und 2,90 NZD. Der günstigste Käse im Großhandel kostet etwa 2 NZD pro 100g, ein Päckchen der günstigsten Butter kostet 2,50 NZD. Der Preisunterschied zu Deutschland ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Milchprodukte in Deutschland vom Staat subventioniert werden, was in Neuseeland nicht der Fall ist. Hier können die Bauern den vollen Preis für ihre Milch verlangen. Überdies hat die ansteigende Nachfrage in Asien, vor allem seit 2007, bei gleichzeitigem Mangel an Milchbeständen zu einem Anstieg der Milchpreise geführt, der zwar 2008 wieder rückläufig war, aber immer noch für vergleichsweise hohe Preise sorgt.

Ebenfalls überraschen mögen die hohen Preise für Fleischprodukte. In einem Land, in dem es mehr Schafe als Menschen gibt und die Viehwirtschaft nach wie vor ein florierendes Geschäft ist, muss man nichtsdestoweniger für hochwertiges Fleisch tief in die Tasche greifen. Vor allem Hähnchenfleisch ist auffallend kostspielig. Pro Kilogramm Hähnchenbrust zahlt man 23 NZD. Ein besseres Preis-Leistungsverhältnis herrscht bei Rinderfilet, welches bereits ab 20 NZD pro Kilogramm zu bekommen ist. Lammsteak ist regulär für 27 NZD pro Kilo zu haben. Ein guter Rat ist es stets nach Angeboten Ausschau zu halten, die es fast täglich in so gut wie jeder Abteilung gibt. Vor allem bei Fisch und Fleisch kann man so einige Dollar sparen und die Haushaltskasse schonen.

Auch bei Produkten wie Reis und Nudeln ist ein Preisunterschied zu Deutschland zu konstatieren, der für weniger Geld im eigenen Portemonnaie sorgt. Bei diesen Produkten sollte man am besten auf die Hausmarke der Supermarktkette zurückgreifen, die qualitativ zwar nicht mit anderen Produkten mithalten kann, dafür aber nur ein Bruchteil anderer Marken kostet. Wer jedoch lieber auf geschmacklose, aneinander klebende Maccaroni verzichtet, muss mindestens mit dem drei- bis vierfachen Preis rechnen. Die wohl größte Preisdifferenz besteht aber bei Cornflakes und Müslis. Im Angebot kann man Müsli der günstigsten Marke für 5 NZD kaufen, einfache Cornflakes der Hausmarke kosten etwa 3,50 NZD.

Der hauptsächliche Grund für die teuren Einkaufspreise ist, dass Neuseelands Supermärkte sich in der Hand von lediglich zwei Konzernen befinden und es daher kaum Konkurrenz und damit keinen Preiskampf gibt. Aktuellen Medienberichten zufolge wird diese Situation von Jahr zu Jahr schlimmer; es heißt, dass die Preise um 42% im Vergleich zu vor 10 Jahren angestiegen seien. Momentan besteht daher der Bedarf an weiteren Wettbewerbern in Neuseelands Supermarkt-Industrie. Solange die ausbleiben, werden auch die Lebensmittelpreise im Supermarkt auf einem hohen Niveau bleiben.

Deshalb kann es manchmal besser sein, einen Abstecher in die asiatischen Märkte zu machen. Vor allem Obst und Gemüse sind im chinesischen Supermarkt um einiges günstiger. Ein solcher recht großflächiger, wenn auch etwas unübersichtlicher, befindet sich in Auckland Central auf der K’ Road. Hier besteht ein großer, für den deutschen Geldbeutel positiver Unterschied zu den Einkaufspreisen in Deutschland. Ein Kilogramm Braeburn-Äpfel kostet etwa 1,29 NZD, also umgerechnet ungefähr 65 Eurocent. Alles, was im eigenen Land angebaut und aus Australien importiert wird, kann hier preiswert eingekauft werden. 500g frischer Spinat kosten 88 NZ Cent, das Kilo Kiwis oder Orangen gibt es für 1,40 NZD zu haben. Am günstigsten lebt es sich folglich, wenn man sich gesund mit viel Obst und Gemüse ernährt – sofern man auf die asiatischen Händler zurückgreift.

Wer mal keine Lust zu kochen aber ein eher kleines Budget hat, sollte den Foodcourts in den diversen Shoppingmalls einen Besuch abstatten. Dort gibt es nicht nur die regulären Fast Food-Ketten, sondern auch gutes chinesisches, indisches oder thailändisches Essen zu geringen Preisen. Für 7 NZD bekommen Studenten beispielsweise einen Teller Curry mit Fleisch und Reis. Für 10 NZD bekommen auch alle anderen einen großzügig gehäuften Teller Pad Thai oder ein leckeres Wokgericht. Ansonsten gibt es an jeder Ecke Kebabbuden, die Döner zwischen 5 und 10 NZD verkaufen, Bistros mit preiswerten Snacks sowie Filialen bekannter Burgerrestaurants, deren Preise sogar etwas unter denen ihrer Kollegen in Deutschland liegen.

Bei der Unterkunft kommt es stark darauf an, welche Art der Schlafmöglichkeiten man wählt. Ein Zimmer in einem Apartment in Auckland Central kann zwischen 90 NZD pro Woche (inklusive Nebenkosten) – dann ist die Wohnung allerdings nicht unbedingt sauber und die Möbel nicht immer gut erhalten – und 150NZD pro Woche kosten – dann bekommt man ein schönes Einzelzimmer in einem Apartment mit nettem Ausblick in einem Gebäudekomplex. Oder man zieht in ein Haus in den Vororten von Auckland City. Die Miete ist hier meist günstiger und die Umgebung schöner. Dafür ist man aber auf Busse angewiesen, die pro Fahrt je nach Distanz zwischen 1,60 NZD für den Nachbarort und 4,30 NZD für eine 15 Minuten-Fahrt verlangen. Zudem sind die Fahrtzeiten sehr beschränkt. Wer nicht so lange an einem Ort bleibt, oder nach dem Praktikum noch den Rest Neuseelands bereisen will, kann mit einem Hostel eine gute Wahl treffen. Je nach Hostel und Hostellage muss man in Auckland City zwischen 18 NZD für ein Bett pro Nacht in einem Vierbettzimmer zahlen und 70 NZD für ein Doppelzimmer in sehr zentraler Lage in der Innenstadt. Die Preise steigen aber in der Hochsaison zwischen Dezember und Februar an. Außerhalb von Auckland bietet sich auch das Campen an. Allerdings muss man an vielen Standorten daran denken, nicht nur Zelt und Schlafsack, sondern auch eigenes Kochgeschirr mitzubringen.

Alles in allem kann man, wenn man gut haushaltet und sparsam ist, mit 550-650 Euro im Monat auskommen. Allerdings sind die Kosten für Ausflüge oder sonstige Unternehmungen darin nicht eingerechnet. Doch nicht umsonst gibt es das Working Holiday Scheme zwischen Deutschland und Neuseeland, auf das man auch bei einem Praktikum auf jeden Fall zurückgreifen sollte. Damit sollte es kein Problem sein, auch neben dem Praktikum die eigene Kasse mit Gelegenheitsjobs aufzubessern, wenn das Geld mal knapp wird.